Warum Rituale
Wir leben in einer Zeit, in der alles möglich ist. Wir können die ganze Welt bereisen, Essen rund um die Uhr zu uns nach Hause bestellen, Freunde und Partner per Internet finden, per Knopfdruck sämtliche virtuelle Welten entstehen lassen. Wir sind so vernetzt, omnipräsent und aktiv wie nie zuvor.
Je mehr wir jedoch im Außen leben, desto einsamer werden wir oft in unserem Inneren. Ziellosigkeit, Übersättigung, Unzufriedenheit, Leere, Einsamkeit und, im wahrsten Sinn des Wortes, Sinnlosigkeit, treten in unserer Gesellschaft immer mehr zu tage.
Rituale sind ein wesentlicher Bestandteil in unserem Leben. Jeder lebt seine ganz eigenen Rituale jeden Tag. Angefangen vom individuellen Morgenritual bis hin zum persönlichen Ritual am Abend, sind die meisten von uns mit Ritualen vertraut, wenn sie uns oft auch nicht als solche bewusst sind. Besonders gerne werden mit Kindern regelmäßig Rituale zelebriert, um ihnen Geborgenheit und Sicherheit zu vermitteln.
"Wie außen so innen" - dieser Satz gilt auch für die Jahreskreisfeste. So erlebe ich es zumindest, wenn ich mich auf den Lauf des Jahresrades einlasse und spüre, dass die Kräfte, die im Außen wirken, mit dem Inneren ident sind. Wichtig ist dabei jedoch, dass wir die Feste nicht "spielen", sondern mit unserem ganzen Sein erfüllen. Auf diese Weise erleben wir jedes Jahr immer wieder neu das Werden und Vergehen der Natur, das Wirken der Großen Mutter auch in uns selbst: das Sterben, Träumen und Visionieren, Wachsen, Blühen, Fruchten und Ernten, das Sichverschenken, um abermals zu sterben.
Manch einer mag überrascht sein, wie tief dieser Zyklus in uns wirken kann. Es kann auch erschrecken, denn manchmal stirbt etwas anderes, als wir erwartet und manchmal wächst etwas anderes, als wir uns gewünscht haben. Doch im bewussten und ehrlichen Sich-einlassen, sind es immer die "gutmütigen Tode", die kommen. Gemeint sind die inneren Sterbe- und Loslöseprozesse, die uns zu mehr Ganzheit, Freiheit und Gelassenheit führen.
So feiern wir in einem steten Ablauf, alle 6 Wochen, von Imbolc über Ostara, Beltane, Litha (Sommersonnenwende), Lughnasadh, Mabon, Samhain bis hin zu Jul, bewusst das Geschehen in der Natur, reflektieren unser eigenes Leben im Betrachten und Erspüren von Mutter Erde. Ein tiefes Angebundensein an das Netzwerk des Lebens darf entstehen. Diese Rituale geben Halt, Geborgenheit und vermitteln das Gefühl immer und sicher getragen zu werden. Das materielle Außen rückt immer mehr in den Hintergrund, verliert an Bedeutung. Tief empfundene Zufriedenheit, Freude und Dankbarkeit aus uns selbst heraus, treten an seine Stelle.
Ohne großen Aufwand wird so (wieder) der Sinn des Lebens in unsere Herzen gepflanzt.